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Datum: 09.09.2019
Rubrik: Gesellschaft

Neustart „Mümmelmann“

Stephanus-Stiftung übernimmt den Betrieb des Kinderbauernhofs

Petershagen (sd). Beim Angerfest am vergangenen Sonntag drängten sich bereits viele interessierte Gäste auf dem Gelände des Kinderbauernhofs. Nachdem die Stephanus-Stiftung den Betrieb zum 1. September offiziell übernommen hat, tut sich bereits sichtbar viel.

Mit 20 Stimmen dafür, keiner Enthaltung und nur fünf Gegenstimmen fiel das Votum der Gemeindevertreter im nicht-öffentlichen Sitzungsteil recht deutlich zugunsten der Stephanus-Stiftung aus. Unter sieben Bewerbern im Auswahlverfahren konnte sich die Stiftung durchsetzen. Vor allem das detaillierte und durchdachte Konzept habe überzeugt. Bereits Ende 2018 begannen die teils sehr emotionalen Diskussionen um die Zukunft des Kinderbauernhofes, als bekannt wurde, dass der Vertrag zwischen Gemeinde und Steremat zum Jahresende gelöst werden sollte. Das Konzept der gemeinnützigen Gesellschaft, das vor allem auf Arbeitslose baute, funktionierte aufgrund der verbesserten Arbeitsmarktsituation nur noch sehr schwer. Ohne größere Umstrukturierungen war es so kaum fortführbar.

Die „Stephanus Werkstätten“ gGmbH unterhalten bereits in Rüdersdorf mit ihrer Betriebsstätte seit vielen Jahren einen Standort für Menschen mit Beeinträchtigungen. „Der Kinderbauernhof in Petershagen hat aus unserer Sicht viel Potential und wir haben einiges dort vor“, so Martin Jeutner, Pressesprecher der Stephanus-Stiftung. Dabei solle sich das Grundkonzept gar nicht so sehr verändern, ergänzt Jeutner.

Vor allem für die neugewählten Gemeindevertreter war es wichtig fortzuführen, was ihre Amtsvorgänger bereits angestoßen hatten, um zeitnah eine Lösung zu finden und eine wichtige Entscheidung zu treffen. Als einen ersten Erfolg der neuen Gemeindevertretung, der nicht selbstverständlich ist, wertet Bürgermeister Marco Rutter das Ergebnis. „Am liebsten wäre mir eine Öffnung noch vor oder im Sommer gewesen, doch die baulichen Mängel, welche es zu beseitigen galt, verhinderten das“, ergänzt der Bürgermeister. Innerhalb der Gemeindevertretung wurden einige Punkte, wie Öffnungszeiten nochmals diskutiert. Mindestanforderungen, die Automaten und Tierversorgung sicherstellen, sind indes vertraglich festgesetzt. „Wir können als Gemeinde selbst agieren oder auch Dritte damit betrauen“, fügt Rutter hinzu. Dieses Mal sei besonderer Wert darauf gelegt worden, „genug Hebel zu haben“, ohne den Vertrag zu gefährden.

Einen ersten gemeinsamen Arbeitseinsatz vor Ort gab es bereits am 23. August. Ein weiterer folgt Mitte September. „Ich bin guter Dinge, dass wir gut vorankommen und eine solide Basis schaffen“, sagt Marco Rutter. Weitere Investitionen und Anträge erfolgen im Herbst. Es soll auch wieder ein Streichelzoo installiert sein. Nach Auflagen des Gesundheits- und Veterinäramtes können Kaninchen, Hühner, Tauben bis hin zu Hausschweinen und Schafen unterbracht werden.

Von Seiten der Gemeindeverwaltung wird betont, dass gemeinsam mit den umliegenden Vereinen und Einrichtungen geplant wird, um den Hof noch besser und fester in das Ensemble Dorfanger Petershagen zu integrieren. Während Grundstück und Gebäude im Gemeindeeigentum verbleiben, tritt die gemeinnützige Stiftung als Mieter auf. Laufende Kosten trägt die Stephanus-Stiftung und stellt ebenso das Personal zur Bewirtschaftung.

Hier habe man es mit einer etwas anderen Zielgruppe zu tun, schränkt Rutter ein, da der Fokus auf Menschen mit Beeinträchtigung seitens der Nutzer liege. So soll es auch viele angeleitete Projekte geben. Grünflächenpflege, Catering, Hofcafé, Hofladen, Übernachtungsangebote und verschiedene Veranstaltungsformate runden das künftige Angebot ab. Alles sei langfristig besser planbar, führt Rutter aus. In der Winterzeit könne auf einen verstärkten Werkstattbetrieb übergegangen werden, der beispielsweise Manufaktur und Verpackungsbetrieb umfasse.

Besonderheit am neuen Vertrag ist auch, dass ein Teil der Fläche, zu der auch der Spielplatz zählt, nicht mitvermietet wird, sondern von der Gemeindeverwaltung betreut wird. Dazu könne jederzeit ein ergänzendes Konzept in der Verwaltung eingeführt werden. Mit dem Hof und der Stiftung eine stärkere Vernetzung und Ergänzung im Dorfanger-Ensemble zu erreichen, ist erklärtes Ziel. Auch ein Mehrzweckraum für eine Vielzahl von Veranstaltungen ist vorgesehen. Dritte Nutzer würden jedoch über die Gemeindeverwaltung koordiniert und einzelvertragliche Lösungen gefunden werden. Besonders ist auch die Mischung des Personals: Menschen aus der Förderkulisse arbeiten mit Fachkräften zusammen, was nochmal mehr Möglichkeiten schafft. Neue Stellen für Mitarbeiter am Petershagener Dorfanger wurden indes parallel ausgeschrieben.

„Wir kümmern uns als Gemeinde um eine feste Bausubstanz. Der Spielplatz muss fast komplett ausgetauscht werden, wofür nochmal kurzfristig Mittel bereitgestellt werden müssen“, so Rutter mit der Ergänzung, seit letztem Herbst seien bereits rund 20.000 Euro von der Gemeinde umgelegt worden. Die Stiftung werde nochmal mehr einsetzen.

Die Ideen sprudeln und es wird fleißig angepackt. „Die Qualität wird zusätzlich gehoben“, ist Marco Rutter sicher. Im Augenblick kommt Bewegung auf den Hof durch fleißige Hände, die zunächst dafür sorgen, dass eine Bewirtschaftung wieder möglich wird, fügt Martin Jeutner hinzu. Im 1. Quartal 2020 sollen dann die ersten Beschäftigten der Stephanus-Werkstätten dort ihre Arbeit aufnehmen. „Wenn alles gut läuft, möchten wir im Frühjahr nächsten Jahres die ersten Gäste dort begrüßen“, schließt Jeutner, bestärkt vom nickenden Marco Rutter. Die gute Zusammenarbeit wird von beiden Seiten – sowohl der Gemeindeverwaltung als auch der Stiftung – unterstrichen und gelobt.

So voll wie im vergangenen Jahr zum Erntefest soll es auch künftig auf dem Gelände in der Dorfstraße 33 werden, wenn es nach den Plänen der Stephanus-Stiftung geht. Foto: BAB/sd

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