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Datum: 27.11.2018
Rubrik: Gesellschaft

Ein Ort zum Trauern: Betroffene sind nicht allein

Grabmal für Sternkinder auf dem Waldfriedhof offiziell übergeben – Erinnerung an langjähriges Tabuthema

Neuenhagen (sd). Sternenkinder waren lange ein Tabuthema, das nur nach und nach in das Bewusstsein der Menschen rückt, Betroffene oft mit ihrer Trauer allein. Auf dem Neuenhagener Waldfriedhof wurde nun ein Grabmahl offiziell übergeben.

Kinder, die vor, während oder nach der Geburt sterben, das Licht der Welt also gar nicht oder nur kurz erblicken, heißen Sternenkinder. „Es sind Kinder, die den Himmel erreicht haben, zu Sternen wurden, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken“, beschreibt Pfarrer Matthias Scheufele und rezitiert noch ein Gedicht von Herrmann Hesse zum Tod eines kleinen Kindes.

Lange Zeit ein Tabuthema, von Rechtswegen praktisch nicht existent, wurden Betroffene mit dem Verlust, dem Schmerz allein gelassen. „Diese kleinen Seelen waren nur einen Hauch Teil der Welt und hinterlassen doch tiefe Spuren in den Herzen“, so Cordula Lettau. Juristisch waren diese kleinen Seelen gar nicht existent, erst 1994 wurde das Geburtsgewicht für eine Beisetzung und Namensgebung gesetzlich auf 500 Gramm gesenkt. „Zuvor wurden die Babys in den Kliniken einfach entsorgt, den Müttern gar nicht erst gezeigt. Intensivmedizinisch ist heute viel mehr möglich“, führt die Trauerrednerin aus. Dass sich in den letzten Jahren etwas getan habe, macht Cordula Lettau auch an der Installation des Engelstores, eben für Sternenkinder, in Petershagen fest. Sie selbst hat Betroffene kennengelernt und berichtete auch aus ihren Erfahrungen mit den versteckten Leiden: „Es ist ein unaussprechlicher Schmerz, den viele in sich vergraben.“

Vor fast genau zwei Jahren auf einer Einwohnerversammlung berief sich eine Bürgerin auf eben dieses Engelstor und fragte, warum es so etwas nicht in Neuenhagen gäbe, erinnert Gunter Kirst. „Im Rahmen der Umgestaltung des Waldfriedhofs wollen wir hier eine würdige Stelle zum Gedenken und Trauern schaffen. Damit auch an das Thema generell erinnern“, fügt der Fachbereichsleiter Bürgerdienste aus.

Unter den drei Bewerbern, die auf die Ausschreibung reagierten, war auch der Neuenhagener Wolfgang Anlauf, der letztlich das Mal gestaltete. „Es ist ein schwieriges Thema, das Künstler auch an Grenzen bringt“, erinnert Anlauf. Die Sternschnuppe habe er gewählt, da sie das Sternenthema aufgreife und gleichzeitig symbolisiere, wie ein Leben zwar kurz, aber hell genug aufleuchte, um bemerkt zu werden.

Auch er hofft, dass nicht viele Kinder auf der Fläche des Waldfriedhofs beigesetzt werden. Betroffen haben so einen Ort zum Trauern und Abschiednehmen und ein Signal, dass sie nicht allein sind, schließt Cordula Lettau. Ferry Grott umrahmte die Veranstaltung mit einem Trompetenspiel.

Im Beitrag des ODF Lokalfernsehens nähern sich Cordula Lettau und Wolfgang Anlauf dem Thema an. Einfach dem Link folgen und direkt ansehen: https://www.odf-tv.de/mediathek/31530/Ein_Ort_zum_Abschiednehmen.html

BU: Gunter Kirst, Matthias Scheufele, Cordula Lettau, Wolfgang Anlauf und Dietmar Schulz (von links nach rechts) im Gespräch am neuen Grabmal auf dem Waldfriedhof.      Foto: BAB/sd

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