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Datum: 06.11.2018

Oftmals besser als die Zielsetzung

Zehnte Auflage der Strausberger Klimakonferenz – Auf einem guten Weg und dennoch viel zu tun

Strausberg (sd). Mit dem ersten städtischen Klimakonzept ins Leben gerufen, ist die jährliche Klimakonferenz zu einem festen Termin geworden. Insgesamt kann für Strausberg eine positive Entwicklung der Klimaziele bescheinigt werden, auch wenn das Themenfeld immer weitgreifender wird.

Dezentralisierung ist ein zentraler Schwerpunkt, um Klimaziele erfüllen zu können. Das gilt sowohl für Strom- und Wärmeversorgung als auch bei der Elektromobilität und sogar beim elektrischen Flugverkehr der Zukunft, wie die Vorträge im Gebäude TP6 des Stic unterstrichen. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Elke Stadeler sprachen Stephan Alexander Vogelskamp und Ralf Wittmann zur Sektrokopplung und wie damit die Klimaziele zu erreichen seien.

Wie Energie und Wärme auch in Bestandsbauten erfolgreich umgerüstet und modernisiert werden können, zeigte Thoralf Uebach, kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke Neuruppin GmbH. Seine Ausführungen galten der „Umrüstung von Fernwärme-Teilnetzen auf Niedrigtemperatur“. „Nur Großkraftwerke wird es in Zukunft nicht mehr geben“, hält Uebach fest. Außerdem zeigte er, dass es auch in gut 26 Jahre alten Wohnblöcken möglich ist, Fußbodenheizungen nachzurüstenund damit energie- und wärmeeffiezienter zu wohnen. Nicht nur die Gesellschaften, sondern auch die Mieter profitierten davon. „Das funktioniert nur, wenn Wohnungsgesllschaft und Stadtwerke zusammenarbeiten. Wir waren anfangs auch skeptisch, ob die Nachrüstung funktieren wird, doch es hat geklappt und schon nach wenigen Jahren Betrieb, zeigten die Zahlen klar, dass es sich gelohnt hat“, so der Gastredner aus Neuruppin. Kosten schlagen sich dabei eher in der Betriebskostenabrechnung denn den Mieten nieder, wie Uebach auf Nachfrage erklärt. Zugleich konnte ein vergleichsweise moderater Mietspiegel gehalten werden.

Ein ähnlich geartetes Modell, jedoch mit eigener Strom- und Wärmeversorung ist das Blockheizkraftwerk in der Strausberger Lindenpromenade. „Das ist zunächst nur ein Prototyp. Wir müssen sehen, wie es läuft, und können erst in einigen Jahren sagen, ob sich das Konzept bewährt und auch an anderer Stelle installiert wird“, so Andreas Gagel, Geschäftsführer  der Strausberger Stadtwerke und Wohnungsbaugesellschaft. Aufgrund der Konstellation der Stadtkonzerne sei eine Zusammenarbeit zwischen Wohnungsgesellschaft und Energieversorger umso einfacher zu realisieren und in vielen Bereichen schon Gang und Gäbe, so Gagel weiter.

Lars Elvering, Projektmanager Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz (BBAA e. V.), gab eine Übersicht zum aktuellen Stand der Entwicklung von E-Mobilität im Flugbetrieb und kommenden Vorhaben. „Wenn es um Elektro-mobilität geht, denken viele an den Autoverkehr, doch das Thema beschäftigt die Flugingenieure genauso“, leitet Elvering ein. Ungewohnt futuristisch muten die Flugzeugentwürfe auf seinen Folien an. Elektro-motoren ermöglichen „völlig neue Denkansätze“. So werden Motoren bei den Elektro-Fliegern auch auf Tragflächen und von der „Flugzeugnase“ an die obere Spitze der „Heckflossen“ versetzt. Damit seien die künftigen Modelle effektiver als ihre bisherigen Pendants. Allerdings sehen die bisherigen Modelle eher kleine Besatzungen um drei bis 12 Personen vor.

Mit den Autos gemeinsam geht es auch den Fliegern verstärkt um eine fehlende Infrastruktur der Ladestationen. Dazu und um die begrenzten Reichweiten der E-Flieger auszugleichen, sollen kleinere Flugplätze, wie der in Strausberg, stärker genutzt werden. „Passagiere wollen nicht immer nur über die Großflughäfen pendeln und vor Ort noch länger fahren, um ihre Ziele zu erreichen, wie Studien belegen. So kann das Flugnetz flächendeckend genutzt werden. Gleichzeitig werden Großflughäfen entlastet“, führt Lars Elvering aus.

Mit Energie und Verkehr setzt sich anschließend Florian Konieczny, vom Fachbereich Stromnetz der Stadtwerke Strausberg GmbH, auseinander. So favorisieren die städtischen Unternehmen und auch die Stadtverwaltung auf Lösungen mit Elektro- und Hybridfahrzeugen. Jüngst wurden E-Bikes mit Anhängern für die Hausmeister der Strausberger Wohnungsbaugesellschaft angeschafft. „Schon 1921 hoelt die E-Mobilität in der Stadt Einzug – damals wurde die Straßen elektrifiziert und ist seit her das emissionsärmste Fahrzeug in Strausberg. Bereits seit 1915 fährt sogar die Fähre elektrisch“, bemerkt Konieczny am Rande.

Bisherige Erfahrungen mit Elektrofahrzeugen seien indes gemischt. So genügen die Wagen für Dienstfahrten innerhalb des Stadtgebietes, müssten dennoch häufiger geladen werden, als nach Herstellerangaben zu erwarten sei. Damit sei der Durchschnittsverbrauch höher und die Ersparnis zumindest finanziell nicht „ganz so hoch wie erwartet“. Dennoch sollen weitere E-Fahrzeuge angeschafft und auf die kommende Entwicklung gesetzt werden.

Was die CO2-Einsparung betrifft, kann Dr.-Ing. Swen Löppen, Betriebsleiter der Stadtwerke Strausberg GmbH, durchweg Positives berichten. Oftmals weisen die Tabellen für 2017 einen deutlich besseren Wert aus, als nach den Zielvorgaben bis 2020 gefordert. So ist die Ersparnis beim Strombezug Netz 4,7 Prozent unter der Zielsetzung, Beim Fernwärmebedarf 0,7 Prozent besser als gefordert und bei Fernwärme und Strombedarf sogar 12,5 Prozent unter dem Ziel.

„Wir haben viel getan, tun eine Menge, sind auf einem guten Weg und haben noch viel vor uns“, fasst Swen Löppen zusammen. Neben dem Bewusstsein für den Klimaschutz komme es auch darauf an, vor Ort anzukommen. Nach dem ersten Klimakonzept hätten die Verantwortlichen schnell gelernt, dass eine ständige Weiter-

entwicklung unabdingbar sei. „Wir als Stadtwerke haben dabei eine besondere Verantwortung und Verpflichtung, die auch regelmäßig zertifiziert wird“, so Löppen weiter. Mit der Aufteilung der Versorgung in drei Kerngebiete im Stadtgebiet sieht Andreas Gagel die Stadtwerke gut aufgestellt.  „Wir haben mit der Klimakonferenz viele Synergie-Effekte und Erfahrungen, die wir nutzen können. Über die nächsten Jahre werden wir sehen, wohin die Entwicklung gehen wird“, schließt Stadtwerke-Chef Andreas Gagel.

BU: Swen Löppen mit einer Übersicht der drei Strausberger Versorgungskerngebiete.      Foto: BAB/sd

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