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Datum: 25.05.2018
Rubrik: Sport

Ehrenamtliches Engagement ins Rampenlicht gerückt

Lutz Bühnert ist „Sportsympathiegewinner 2017“ – Aktion von LSB und Lotto Brandenburg würdigt Einsatz – Aus persönlichen Erfahrungen Para-Ruderabteilung etabliert

Rüdersdorf (sd). Zur Frühjahrsregatta des Rüdersdorfer Rudervereins Kalkberge e. V. war wieder viel los am Kalksee – genau die richtige Atmosphäre für eine besondere Auszeichnung. Seit 14 Jahren werden vom Landessportbund Brandenburg in Kooperation mit der „Land Brandenburg Lotto“ GmbH Sportsympathieträger des Jahres ausgezeichnet. Einer von ihnen ist Lutz Bühnert, der die Paraabteilung des Rudervereins ins Leben gerufen hat.
Über 60.000 Helfer sind ehrenamtlich in gut 3.000 Brandenburger Vereinen aller möglichen Sportarten organisiert. Dass ohne so viel freiwilligen Einsatz vieles kaum möglich wäre, haben auch die Verantwortlichen von Lotto Brandenburg und des Landessportbundes erkannt und geben den Engagierten einmal im Jahr eine eigene Bühne. Mit dem Ehrenamtspreis „Sportsympathierträger“ werden sie aus dem Hintergrund sprichwörtlich ins Rampenlicht geholt und ihre Leistung gebührend anerkannt. Im September und im Oktober können Vereine aus dem ganzen Land Vorschläge für die Auszeichnung einreichen. Im November sichtet eine Jury aus Vertretern des Landessportbundes und der Lotto Brandenburg GmbH die Vorschläge und wählt 20 Gewinner aus. Drei von ihnen erhalten eine Einladung zur Sportgala nach Potsdam sowie 500 Euro für den Verein, die anderen 17 bekommen Siegerpokal, Urkunde und
350 Euro, wie Öffentlichkeitsmitarbeiterin Monika Genrich ausführt. „Wir sind bestrebt, die Auszeichnung in einem feierlichen Rahmen bei den Vereinen selbst durchzuführen“, erklärt Monika Genrich. Anlässlich der 64. Frühjahrsregatta des Rüdersdorfer Vereins zeichneten sie und Thomas Bode, Pressesprecher des Rudervereins, Lutz Bühnert aus.
„So machen es die Fahrer in der Formel 1“, sagte Bühnert und hob den gläsernen Pokal stolz in die Luft. Seit gut 45 Jahren lebt Lutz Bühnert als Mitglied des Rüdersdorfer Rudervereins Kalkberge e. V. seine Leidenschaft für Wassersport aus. Der ruderischen Grundausbildung folgten Wettkampferfolge, die Organisation ein- und mehrtätiger Wanderfahrten sowie die Ausbildung zum Übungsleiter mit der Betreuung einer Trainingsgruppe. Als erfahrener Tischler und Formenbauer brachte Bühnert sich gleichfalls bei der Reparatur der Boote und Skulls ein, wovon der gesamte Verein profitierte.
Aufgrund einer Erkrankung konnte Lutz Bühnert seinen Beruf nicht mehr ausüben und auch den Rudersport schien er beinahe aufgeben zu müssen. Doch mit viel Willensstärke und Übung kämpfte er sich durch und war bald wieder auf dem Wasser unterwegs, wie er berichtet. Die dabei gemachten Erfahrungen brachten ihn auf eine Idee, die später den Rüdersdorfer Verein in ihrem Umfang einzigartig machen sollte. Um körperlich und geistig Behinderten den Zugang zum Rudersport zu ermöglichen, initiierte Lutz Bühnert die Para-Ruderabteilung. Bis heute ist er gleichzeitig Übungsleiter und Hauptverantwortlicher. Zusätzlich absolvierte Bühnert Aus- und Weiterbildungen zum Rehasport-Übungsleiter und zum Trainer C. Darüber hinaus wurde er durch seinen unermüdlichen Einsatz Fachwart für die Sportart Rudern im Brandenburgischen Behindertensportverband tätig. Im Januar 2017 wurde Bühnert in den Arbeitskreis Leistungssport des Deutschen Rudersportverbandes (DRV) berufen und im Herbst in den neu gegründeten Arbeitskreis Handicap und Pararudern im DRV.
„Das ganze Ausmaß seines Einsatzes bleibt oft unbekannt und im Hintergrund. Es ist unglaublich, was Lutz alles tut und unternimmt. Dazu können er und seine Para-Sportler erste sportliche Erfolge vorweisen“, so Thomas Bode in seiner kurzen Laudatio. Lutz Bühnerts Organisationstalent und Hartnäckigkeit sei es zu verdanken, dass überhaupt Ruderboote mit spezieller Kentersicherung für die Para-Sportler angeschafft werden konnten, zuletzt im September sogar ein speziell gestaltetes Rettungs- und Begleitboot. „Ohne den Rückhalt im Verein und die Helfer und Sponsoren wäre das alles kaum möglich gewesen“, wirft Lutz Bühnert ein. Dennoch müsse es erst einmal jemanden geben, der weiß, was benötigt wird, um das Rudern mit Handicap voranzubringen und sich an den entsprechenden Stellen dafür stark mache.  Heute ist der Rüdersdorfer Ruderverein einer von wenigen in Berlin und Brandenburg, die überhaupt eine Abteilung für Behinderte haben und der einzige Verein, der die komplette Bandbreite der Behinderungen betreut.
Das Bootshaus am Kalksee sei Bühnerts zweites Zuhause geworden, er selbst oft mehr mit „seinen Schützlingen“ unterwegs als zuhause bei der Familie, heißt es weiter. So nutzte der Leiter der Para-Ruderabteilung die Gelegenheit, seiner Familie für den Rückhalt, die Unterstützung und das Verständnis zu danken. Das sei nicht selbstverständlich. „Es ist immer wieder toll zu erleben, was für Geschichten hinter den eingereichten Vorschlägen stehen. Bei so viel Einsatz fällt die Auswahl schwer und ich weiß, dass die Mitglieder der Jury es sich nicht einfach machen“, ergänzt Monika Genrich und unterstreicht ihren Respekt für die Leistungen aller Ehrenamtler.
Lutz Bühnert war bereits vorab informiert, dass er Sportsympathiegewinner ist, die tatsächliche Auszeichnung war jedoch eine kleine Überraschung. „Ich freu mich riesig“, ergänzte Bühnert sichtlich gerührt. Für die 350 Euro hat er schon mehrere Vorstellungen – natürlich setzt er das Geld für seine „Paras“ ein.


BU: Monika Gernach (links) und Thomas Bode (rechts) nutzten eine Rennpause, um Lutz Bühnert Pokal und Urkunde als „Sportsympathiegewinner 2017“ zu überreichen.       Fotos (2): BAB/sd


BU2: Auch Rollstuhlfahrer Enrico Schildberg ist beim Para-Rudern sportlich aktiv.

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