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Datum: 17.11.2016

Aus dem Ort, für die Region – „Rehfelder Tarif“

Seit 2012 Arbeit am Eigenenergie-Konzept – Baugenehmigung zur Verdichtung des Windparks „Werder-Zinndorf“ erteilt


Rehfelde (sd). Es ist ohne Zweifel ein ehrgeiziges Ziel, das sich der Arbeitskreis „Rehfelde-EigenEnergie" seit 2012 gesetzt hat: Die Errichtung und den Betrieb zweier Windenergieanlagen, deren erzeugter Strom den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde zugute kommen soll. Eine Genossenschaft wurde ins Leben gerufen und gemeinsam mit der „Denker & Wulf AG" ein umfassendes Konzept erarbeitet. Zwei jeweils 199 m hohe Anlagen mit einer Einzelleistung von 2,4 Megawatt sollen demnach das bestehende Windeignungsfeld Nr. 26 „Werder-Zinndorf" ergänzen.


Wie auf der fünften Bürgerinformation am Donnerstag, dem 10. November 2016, im Bürgersaal vom Vorstand der Genossenschaft „Rehfelde EigenEnergie" mitgeteilt wurde, ist „ein wichtiger Meilenstein für die geplante Errichtung der Bürgerwindenergieanlagen im kommenden Jahr" geschafft: Bereits am 19. Oktober 2016 genehmigte das Landesamt für Umwelt in Frankfurt/Oder die Errichtung der beiden Anlagen. Wie der Vorstandsvorsitzende Bernd Bechly mitteilte, sei die Rede von einer „sofortigen Vollziehung". Wichtig wurde die Genehmigung noch vor dem Jahreswechsel, da so eine feste Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz gesichert werden konnte.


Laut vorgestelltem Zeitplan soll nach erfolgter Baufreigabe noch im Dezember mit den Arbeiten begonnen werden, sodass die Kundenabnahme im Juli 2017 erfolgen kann. Eine kürzlich eingereichte Normenkontrollklage von Gegnern soll nach Ansicht der Beteiligten keine Verzögerung bewirken, da man während der Planung und Vertragsgestaltung penibel auf Formulierungen geachtet hat und die Unterlagen mehrfach hat prüfen lassen. Angesichts einer noch zu erfolgenden Prüfung der Klage durch zuständige Gerichte betonte auch Bürgermeister Reiner Donath, dass die Gemeinde sich sicher sei, keine Fehler gemacht zu haben.


Sorgen von Anwohnern über eine zunehmende Lärmbelästigung wies der Vorstand entschieden zurück, da die zusätzlichen Anlagen so geplant wurden, dass sie aus Sicht des bewohnten Gebietes noch hinter den bestehenden Windkraftanlagen aufgestellt werden.


Insgesamt werden beide Windenergieanlagen der Firma „Nordex" mit Kosten von jeweils rund fünf Millionen Euro beziffert. 85  Prozent sollen aus Kreditmitteln finanziert werden, während die verbleibenden 15 Prozent aus Eigenmitteln der Genossenschaft stammen. Die 180  Mitglieder der Genossenschaft zahlen sogenannte Bausteine, im Wert von 2.500 Euro (zwei Genossenschaftsanteile zu 250 Euro und garantierter Verzinsung zu 2,5 Prozent und ein Nachrang-Darlehn von 2.000 Euro mit 3,8-4 Prozent Zinsen) ein. Weiterhin kommen mindestens 100.000 Euro von Kommanditisten dazu. Gleichzeitig wurde um weitere Mitglieder geworben. Unterlagen und Informationen dazu gibt es unter www.rehfelde-eigenenergie.de.


Den Betrieb der Anlagen übernimmt die Rehfelde GmbH & Co. KG, welche mitsamt den Anlagen in die Genossenschaft übergeht. „Das ist ein übliches Konstrukt", kommentierte Bernd Bechly. Über einen Direktvermarkter soll der lokal erzeugte Strom als „Rehfelder Tarif" in die Region gebracht werden. Aktuell würden mehrere Angebote geprüft, ein Vertragsabschluss sei jedoch erst zeitnah vor der Inbetriebnahme der Windräder vorgesehen. Der „Rehfelder Tarif" soll zunächst Genossenschaftsmitlgiedern angeboten werden, gefolgt von Bürgern in Rehfelde und nachrangig weiteren Abnehmern in der Region.


Gerechnet wird mit einem jährlichen Energieertrag von 14.500  Megawattstunden, was rund 1,14 Millionen Euro entspricht. Die aufgenommenen Kredite mit Laufzeiten von 15 bis 16 Jahren sollen somit in erster Linie durch diese Erträge getilgt werden. Für die Windkraftanlagen wird indes mit einer Betriebszeit von 20 Jahren gerechnet, die um fünf Jahre verlängert werden kann, bevor ein Rückbau oder ein „Repowering", also eine Erneuerung des Herzstücks, nötig werden.


Wie Helmut Grützbach vom Vorstand ergänzt, habe man verschiedene Modelle und auch den „Worst Case" durchgerechnet, um eine gewisse Absicherung gewährleisten zu können. Außerdem wurde eine Liquiditätsreserve eingeplant, um eventuelle Ausfälle überbrücken zu können. Eine Preisspanne konnte noch nicht genannt werden, man werde jedoch unter dem Angebot des Grundversorgers der Region bleiben.



BU: Detailliert ausgearbeitet: Helmut Grützbach (Vorstand), Heinz Kuflewski (Öffentlichkeitsarbeit), Viktor A. Porodjuk (Aufsichtsratsvorsitzender), Torsten Mertinkat (Genossenschaftsmitglied) und Vorstandsvorsitzender Bernd Bechly (v. l. n. r.) stellten die Planungen vor.      Foto: sd


 



 


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