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Datum: 04.02.2011
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„Ebifa“

Vergessene Orte

Eine Ruine. Mitten in Eberswalde steht sie da, dem Verfall preisgegeben. Doch sie hat eine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte der Eberswalder Billettfabrik. Alles begann mit dem Musiker Conrad Kemnitz, der 1876 nach Eberswalde kam und eine kleine Druckerei eröffnete. 1884 errichtete er in der Kirchstraße 17 eine größere Druckerei. Die Geburtsstunde der späteren Eberswalder Billettfabrik, kurz Ebifa. Der Stadtchronist Eberhard Wühle hat den Weg der ersten großen Eberswalder Druckerei erforscht. Dort wurden unter anderem die bekannten „Kriegerbundkarten“ gedruckt, deren Vorlagen vom Maler Richard Knötel stammten. In Sammlerkreisen sind sie noch immer gefragte Raritäten. Mit der Verlagerung des Produktionsschwerpunktes auf Eintrittskarten, auch Billetts genannt, wurde die Druckerei 1906 in „Billettfabrik Conrad Kemnitz, Eberswalde“ umbenannt. In einem Reklameblatt aus der Zeit geht hervor, dass neben Einlasskarten auch Zeitungsbeilagen und Broschüren gedruckt wurden. Unter Bruno Natsch wurde die Ebifa über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Bis zum 2. Weltkrieg entwickelte sie sich zu einem modernen Produktionsstandort. Nach Kriegsende wurde jedoch der gesamte Maschinenpark demontiert und als Reparationszahlung in die UdSSR verfrachtet. Mit der Enteignung 1948 verlor die EBIFA ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit. Das Endgültige aus für die Druckerei kam 1953, als sämtliche Maschinen vom Berliner Betrieb „VEB Kassenblock“ übernommen wurden. Bis zum Ende der DDR nutzte die „Großhandelsgesellschaft Haushaltswaren“ den Komplex in der Bergerstraße. Seit dem steht die Fabrik leer. Scheinbar in Vergessenheit geraten erinnert nur noch eine Ruine an die EBIFA, Eberswaldes erste und einzige Billettfabrik.

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