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Datum: 08.03.2018

Ganze Bandbreite oft unbekannt

Berufe sollten immer auch Eignung und Neigungen widerspiegeln


Wegendorf (sd). Anlässlich der bundesweiten „Woche der Ausbildung" besuchten Vertreter der Agentur für Arbeit einen Wegendorfer Betrieb. Deutlich wurde unter anderem, dass die ganze Bandbreite der Berufe oftmals unbekannt ist und so auch berufliche Chancen vergeben werden.


Mit seiner Kunstgießerei in Wegendorf hat sich Wilfried Hann ein Betätigungsfeld geschaffen, dass seinen Neigungen und Interessen entspricht und von dem er obendrein leben kann. Er selbst kommt ursprünglich nicht aus dem Handwerksbereich, kannte die Arbeit jedoch von seinem Großvater und kam über Umwege zur Selbstständigkeit. Auf dem alten Hof, den er in Eigenarbeit saniert hat, befindet sich seine Werkstatt, in der aktuell auch zwei Auszubildende beschäftigt sind. Mit der Ausbildung begann er, um jungen Leuten eine Chance und Perspektive zu geben, wie er erklärt.


„Derzeit haben wir mehr offene Ausbildungsstellen als Bewerber. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich Berufsstarter auf wenige bekannte Berufe fixieren und so andere Teile der ganzen Bandbreite, die eher ihren Neigungen und Interessen entsprechen, hinten runter fallen", fasst Jochem Freyer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Frankfurt (Oder) das Ansinnen der „Woche der Ausbildung" zusammen.


So gibt es in der Kunstgießerei Hann mit dem Metallbildner Ziseliertechnik und dem Metall- und Glockengießer gleich zwei recht unterschiedliche Arbeitsfelder. Dass die Gesellschaft mehr von Menschen profitiere, die Spaß an ihrem Job haben und dann auch bereit sind, sich selbst größere Belastungen zuzumuten, sind sich Freyer und Hann einig. „So sind selbstauferlegte Lasten leichter zu bewältigen und der Durchschnitt wird schnell übertroffen", ist sich Wilfried Hann sicher. Auch müssten sich Berufsstarter von der gesellschaftlichen Ansicht bestimmter Berufsbilder lösen und sich mehr auf sich selbst konzentrieren, wie Hann ergänzt. „Auch den Erwachsenen muss das eingeschränkte Denken in Hierarchien und Kategorien abgewöhnt werden", so Wildfried Hann.


Die Quoten von Studienabbrechern seien nach wie vor hoch, konstatiert Jochem Freyer. Zeit, die in einer Ausbildung effektiver angelegt wäre. Dies kann Wilfried Hann bestätigen, der vergangenes Jahr eine Bewerberin hatte, die zuvor zehn Semster lang Jura studierte und nun ihren Interessen entsprechend ins Kunsthandwerk gehen wollte. Auch musste Hann nach eigener Aussage feststellen, dass sowohl bei Männern und Frauen als auch in der Reife sehr unterschiedliche und späte Entwicklungen in den letzten
30 Jahren bemerkbar seien. Mehr agieren statt nur zu reagieren wünscht sich der selbstständige Kunsthandwerker.


Allein im Gebiet der Arbeitsagentur Frankfurt (Oder), das sich auch auf Märksich-Oderland und Oder-Spree erstreckt, gibt es über 330 duale Ausbildungen. Nicht nur bei diesem Betriebsrundgang wurde deutlich, dass mehr getan werden müsse, um die gesamte Palette an Arbeitsoptionen publik zu machen. Mit unterschiedlichen Aktionen wollen die Arbeitsagentur und Arbeitgeber auch zukünftig werben und Pforten öffnen.



BU: Ernest Pusch ist Ziselleur und hat eine Tätigkeit gefunden, die ihn glücklich und leistungsfähig macht.       Foto: BAB/sd


 


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